Feminismus

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Feminismus ist die radikale Ansicht, dass Frauen* Menschen sind

Was heisst, dass Frauen* dieselben Rechte haben sollten, wie alle anderen Menschen auch. Menschenrechte eben. Und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Praxis. Tatsache ist aber, dass, für Frauen* auch in westlichen Ländern mindestens die folgenden Menschenrechte nicht garantiert sind:

  • Das Recht auf körperliche Sicherheit der Person 
  • Das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit 
  • Das Recht, vor Diskriminierung geschützt zu werden

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit der Person

Gewalt gegen Frauen*

Gemäss einer Studie von Amnesty International erlebt jede sechste Frau in der Schweiz massive sexualisierte Gewalt, mindestens jede Dritte wird belästigt. Jede zwölfte wird vergewaltigt.

 

Hinzu kommt die körperliche Gewalt bis hin zum Mord. Allein 2025 wurden in der Schweiz mindestens 27 Frauen getötet, nur weil sie Frauen waren (Quelle: stopfemizid.ch). Das heisst, Femizide machten 2025 über 49% aller (55) Tötungsdelikte in der Schweiz aus.

 

Trotzdem ist weder die Eindämmung häuslicher Gewalt noch die Bekämpfung sexualisierter Gewalt eine politische Priorität. Die einzige logische Konsequenz daraus ist: Frauen* haben in der Schweiz nicht die gleichen Menschenrechte wie die Männer. Der Wille, das zu ändern, ist bis jetzt minimal. 

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Der gender health gap

Viele Krankheiten, die spezifisch Frauen betreffen, sind ungenügend erforscht. Auch werden selbst häufige Krankheiten bei Frauen später als bei Männern diagnostiziert und frauenspezifische Symptome von Erkrankungen nicht erkannt. Zudem erhalten Frauen weniger angepasste Behandlungen als Männer. Das führt zu mehr Nebenwirkungen und schlechteren Prognosen.

Eine wichtige Ursache für diese Ungleichheiten: Forschung wird überdurchschnittlich oft an Männern – oder männlichen Zellen und Versuchstieren – durchgeführt. Der weibliche Zyklus wird oft als zu kompliziert betrachtet. Es wird davon ausgegangen, dass es die Forschungsergebnisse verfälschen oder unklar machen würde, wenn an Frauen oder weiblichen Versuchstieren geforscht würde. Gleichzeitig sind geschlechtsspezifische Daten nur schwer zugänglich und Wissen zu relevanten Unterschieden findet zu wenig Eingang in die Praxis (Quelle: bag.admin.ch).

Blöderweise sind aber 50% der Weltbevölkerung Frauen*. Dass sie dann eine schlechtere medizinische Behandlung erhalten, wird stillschweigend in Kauf genommen.

Auch hier ist der politische Wille, das zu ändern, minimal. 

Das Recht, vor Diskriminierung geschützt zu werden

Mehrarbeit, Renteneinbussen und Altersarmut

 

Frauen zwischen 15 und 64 Jahren verdienen in der Schweiz 43%  weniger als Männer, obwohl sie 2024 im Schnitt 3.1 Stunden mehr pro Woche arbeiteten als Männer, nämlich 61.1 Stunden, verglichen mit 57.8 Stunden der Männer. Bezahlte und unbezahlte Arbeit zusammengezählt. Das sagt der GOEG aus (Quelle: bfs.admin.ch). 

Der GOEG berücksichtigt auch die Erwerbsausfälle von Frauen aufgrund Kinder- und Altenbetreuung, sowie die Tatsache, dass sogenannte Frauenberufe schlechter bezahlt sind als sogenannte Männerberufe, die eine ähnliche Qualifikation erfordern. Sowie die direkte geschlechtsbezogene Diskriminierung. Auch die Tatsache, dass die lebenswichtige Sorgearbeit, die hauptsächlich von Frauen geleistet wird, meistens unbezahlt bleibt hat für Frauen* gravierende Folgen: Im Alter oder bei Trennung müssen sie deswegen Renteneinbussen in Kauf nehmen. Nicht wenige sind darum gezwungen, ein Leben in Armut zu führen, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet haben. Mehr als der durchschnittliche Mann*, dessen Lebensstil mit mehr Lohn und höherer Rente belohnt wird. Das ist diskriminierend. Die unbezahlte Arbeit, die grösstenteils von Frauen* geleistet wird, ist das Rückgrat unserer Wirtschaft und übersteigt die bezahlte Arbeit bei Weitem. Trotzdem wird sie gesellschaftlich nicht angemessen anerkannt und diejenigen, (grösstenteils Frauen*), die sie leisten, müssen ihretwegen Nachteile in Kauf nehmen. 

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aerztin
bergbäuerin

Das Recht auf gleichen Lohn für gleiche Arbeit. 

Frauen verdienen in der Schweiz immer noch 18% weniger als Männer in ähnlichen Berufen. 10 bis 11% dieses Lohnunterschiedes ist erklärbar dadurch, dass Frauen öfter Teilzeit arbeiten, mehr Erwerbsunterbrüche haben und weniger Lohnverhandlungen führen. 7-8% dieser Differenz ist ausschliesslich durch Diskriminierung erklärbar. 

Was bei dieser Analyse nicht berücksichtigt wird, ist, dass Frauen* bei qualifizierten Berufen schon bei der Auswahl der Bewerbenden benachteiligt werden. Eine Frau, die eine qualifizierte Anstellung hat, ist also bereits besser als viele ihrer männlichen Kollegen – sonst wäre sie gar nicht angestellt worden. Dass Frauen*  trotzdem im Schnitt weniger verdienen als die Männer* ist daher umso eklatanter. 

Zudem ist es auch kein Zufall, dass Frauenberufe meistens schlechter entlöhnt werden als Männerberufe, für die eine ähnliche Qualifikation nötig ist: Studien haben gezeigt, dass sich das Lohnniveau einer Branche mit deren Geschlechtswechsel verändert. Es ist also nicht so, wie gemeinhin angenommen wird, dass Frauen* zufälligerweise häufiger in schlechterbezahlten Branchen arbeiten. Es ist so, dass sogenannte Frauenberufe schlechter bezahlt werden, weil die Mehrheit derjenigen, die sie ausüben, Frauen* sind. 

Was hat nun Feminismus mit Spiritualität zu tun?

meditationsgruppe

Eine ganze Menge.

Menschen, die dauernd am Limit und überarbeitet sind, haben keine Zeit, sich mit Spiritualität zu beschäftigen. Diese Menschen sind überdurchschnittlich oft Frauen*. Das ist weder ein Zufall noch eine biologische Gegebenheit, sondern die direkte Folge unserer Gesellschaftsordnung.

 

Echte Spiritualität benötigt eine vertiefte Auseinandersetzung mit sich selbst und – vor Allem – den eigenen Schwächen und Schattenseiten. Eine solch radikale Konfrontation mit den eigenen seelischen Abgründen benötigt ein gutes Selbstbewusstsein, Geduld, Mut, Selbstliebe und das Wissen, das man so, wie man ist, in Ordnung ist, auch wenn man nicht perfekt ist. Gerade Selbstbewusstsein und Selbstliebe sind aber Dinge, die Frauen* in unserer Gesellschaft nicht beigebracht werden. Wir lernen, lieb zu sein, zu gefallen, uns kleinzuhalten. Wer lieb ist, immer gefallen will, und sich Anderen zu liebe klein hält, wird aber nie den Mut aufbringen, sich selbst in aller Ehrlichkeit mit all seinen oder ihren Facetten zu begegnen. Daher ist Feminismus für eine echte Spiritualität unabdingbar. 

 

Dazu kommt, dass viele autoritär-patriarchale spirituelle Organisationen schlichtwegs gefährlich sind: Menschen – egal welchen Geschlechts – gehen zu spirituellen Lehrer*innen, weil sie auf der Suche sind. Nach Werten. Nach etwas – und vielleicht auch jemandem – die / der ihnen Halt gibt. Weil sie Probleme in ihrem Leben haben. Weil sie nicht weiterwissen. Einige haben ein tiefes Selbstwertgefühl und den Eindruck, nicht alleine mit ihrem Leben klarzukommen.

 

Wenn nun Frauen*, zu spirituellen Lehrer*innen gehen, die frauenfeindliche Ideologien vertreten, dann ist es sehr leicht möglich, dass ihr Selbstwertgefühl und ihre Identität komplett unterminiert worden ist, bevor sie verstehen, was passiert ist. Anstatt sich selbst und ihren Zugang zum grösseren Ganzen zu finden, treffen sie auf Fremdbestimmung, übergestülpte, diskriminierende Werte, Missachtung der eigenen Menschenwürde. Das kann selbstverständlich auch Männern* passieren, aber bei Frauen* ist das Risiko deutlich grösser.

 

Erschreckend viele spirituelle Lehrer*innen vertreten eine These über die natürliche Verschiedenheit der Geschlechter die Frauen* explizit oder implizit abwertet und es ihren Mitgliedern verunmöglicht, einfach sich selbst zu sein. Diese Theorien gehen mit starren Rollenbildern einher. Obwohl sich diese Lehren in erster Linie gegen Frauen* richten, schaden sie auch Männern*. Denn auch wenn ihnen die dominante Rolle zugeschrieben wird, ist es eine fixe Zuschreibung. Ein mentales Gefängnis, das es auch Männern* verunmöglicht, den eigenen Weg zu finden.

 

Zudem sind solch starre Theorien über die Rolle der Geschlechter ein Nährboden für sexuelle Belästigung, Trans- und Homosexuellenfeindlichkeit, Ausbeutung von Frauen* und in einigen Fällen sexuellen Missbrauch.

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