medusa

Neumond auf dem Kopf der Dämonin

Am Samstag 16.05.2026 (also heute) ist Neumond auf 25 Grad Stier. Und zwar ein Neumond, der es in sich hat.Ein Neumond auf dem Kopf der Dämonin. Was das heisst, erkläre ich dir hier.

Abschluss und Neubeginn, Genuss und Sinnlichkeit

Ein Neumond bezeichnet immer einen Abschluss von etwas Altem und einen Neubeginn. 

Stier ist ein weibliches Zeichen, beherrscht von der Venus. Es geht also darum, dass wir uns mit unserer weiblichen Seite und insbesondere mit unseren venerischen Eigenschaften auseinandersetzen dürfen. Venus als Göttin der Sinnlichkeit und der schönen Dinge beherrscht das Flirten, das Feiern, das sich-in-seiner-Sinnlichkeit-wohlfühlen, das Geniessen jeder Art. Aber auch Geld, das Bedürfnis nach Sicherheit, schöne Gegenstände, angenehme Gespräche, Bücher, die uns gefallen, Musik und allgemein alles, das uns Freude macht.

Der Kopf der Dämonin oder die Rache der verletzten Weiblichkeit

Dieser Neumond findet aber auch in gradgenauer Konjunktion – also direkt auf – dem Fixstern Algol statt. Algol wurde in der traditionellen Astrologie mit schweren Unglücksfällen, Mord, Gewalt, Tod und Ähnlichem assoziiert. Die moderne Astrologie sieht das nicht ganz so extrem, bringt ihn aber immer noch mit intensivsten Transformationen in Verbindung. Der Name Algol und kommt aus dem Arabischen und ist die Abkürzung von «Rais al Gul» der Kopf des / der Dämon*in („Gul“ ist das arabische generische Maskulinum für Dämon*in). Allerdings wäre «Rais al Gula» – Kopf der Dämonin – wohl passender. Es spricht nämlich viel dafür, dass die mittelalterlichen Astrolog*innen der islamischen Tradition den Namen bzw. die Bedeutung, die sie dem Fixstern zusprachen, von den Griech*innen übernommen hatten. In der griechischen Astrologie ist Algol der Kopf der Medusa, der ihr von Perseus abgeschlagen wird.

Wer aber ist Medusa? Die meisten von uns kennen sie als eine Art Monster. Die Legende besagt aber, dass Medusa keinesfalls immer ein Monster war. Medusa war eine sehr schöne junge Frau, die das Pech hatte, im Tempel der Göttin Athene von Poseidon, dem Gott des Meeres, vergewaltigt zu werden. Athene, die das mitbekam, war leider überhaupt keine Feministin. Anstatt ihrer verletzten Schwester zu helfen, bestrafte sie Medusa für die ihr angetane Gewalt, indem sie ihre Haare in Schlangen verwandelte und sie als Monster, das durch seinen Blick Leute zu Stein erstarren lassen konnte, auf die Erde schickte. Wo dann Perseus es mit Hilfe von Athene schaffte, Medusa den Kopf abzuschlagen. Aber auch abgeschlagen behielt Medusas Kopf die Eigenschaft, alle, die er ansah, in Stein zu verwandeln.

Medusa – oder Algol – ist in diesem Sinne weniger umprovozierte, brutale Gewalt, als die Rache des vergewaltigten und von ihrer Schwester, die mit dem Patriarchat gemeinsame Sache machte, verratenen Weiblichen. Ist das negativ? Für die Astrolog*innen der islamischen Tradition, die von einigen Ausnahmen (die man an einer Hand abzählen kann) einmal abgesehen allesamt männliche Mitglieder der Elite hochpatriarchaler Gesellschaften waren, mit Sicherheit. Aber aus feministischer Sicht?  Die Antwort darauf überlasse ich dir, liebeR Leser*in.

Was heisst das aber nun für uns persönlich in Bezug auf diesen Neumond?

Ich denke, es heisst, dass es nicht nur um die genussvollen Seiten der Weiblichkeit geht, sondern auch um die dunkleren. Wir dürfen uns fragen:

  • Wo haben wir unsere weibliche Seite gesellschaftlichen Normen und Wertungen untergeordnet, die uns eigentlich nicht entsprechen?
  • Welche Wunden trägt unsere weibliche Seite in uns? Wo wurden wir von Anderen verletzt? Wie hat das unser Leben beeinflusst? Wie wird es immer noch davon beeinflusst? Vielleicht sind diese Wunden erst kürzlich entstanden, vielleicht sind sie aber auch sehr alt. Vielleicht stammen sie aus Kindheitstagen.
  • Wie gehe ich mit meiner Sinnlichkeit um? Geniesse ich sie? Traue ich mich, sie zu leben? Oder habe ich den Eindruck, sie verstecken zu müssen, um nicht das Missfallen oder unerwünschte Annäherungsversuche Anderer auf mich zu ziehen? Was kann ich tun, um Frieden mit meiner Sinnlichkeit zu finden?
  • Wie gehe ich mit der Sinnlichkeit anderer Frauen um? Sehe ich sie als willkommenes Beispiel um meine eigene mehr zu leben? Fühle ich mich von ihnen bedroht? Möchte ich sie für ihre Sinnlichkeit bestrafen? Möchte ich das, weil ein Teil von mir auch mich selbst für meine Sinnlichkeit bestrafen möchte? 
  • Und, wenn du ein Mann bist: Wo habe ich meine eigene Weiblichkeit verletzt, um besser in die Männlichkeitsstereotypen dieser Gesellschaft zu passen? Was macht das mit mir? Was macht das mit meinen Beziehungen zu Frauen? Habe ich schon einmal eine Frau verletzt, um ein besser in die stereotypen Männlichkeitsnormen meiner Gesellschaft zu passen? Wie war das für mich? Und für sie? Und, genauso wichtig:
  • Gibt es einen Zusammenhang dazwischen, wie ich mit meiner inneren weiblichen Seite umgehe und damit, wie ich die Frauen in meiner Umgebung behandle? Welchen? Wenn sich das Eine verändert, verändert sich auch das Andere? 

Der Neumond auf Algol  gibt Raum zur persönlichen Weiterentwicklung. Es geht um die Themen: Macht, Selbstmacht, Durchsetzungskraft, den Umgang mit gesellschaftlichen Normen vis à vis der eigenen Ethik und für einige auch um den Umgang mit erlittener oder ausgeübter Gewalt. 

Was diese Thematik weiter verstärkt, ist dass gleichzeitig mit dem Neumond Mars und Chiron im Widder eine Konjunktion bilden. 

 Mars ist der Gott des Krieges, der Aktivität, der Selbstdurchsetzung und auch des Begehrens und der Sexualtriebes in seiner puren animalischen Form, ohne Beigabe von Romantik, Sinnlichkeit oder Liebe. Dieser Teil von uns, der sagt: „ich will dich jetzt!“ Dem es ziemlich egal ist, was der / die Andere davon hält. Chiron ist der weise verwundete Heiler. Das Zusammentreffen der Beiden sagt aus, dass es in diesen Tagen allgemein aber ganz besonders an diesem Neumond um unsere Wunden in der Selbstdurchsetzung und im Umgang mit Aggressionen geht. Das kann sich so äussern, dass uns bewusst wird, wo wir uns klein gehalten haben, um Anderen zu gefallen. Wo wir uns nicht getraut haben, für uns selbst einzustehen. Wo wir uns selbst zu wenig wert geschätzt haben, und zugelassen haben, dass Andere uns als Fussabtreter benutzen. Es kann uns aber auch bewusst machen, wo wir auf Kosten Anderer etwas erstritten haben, das uns eigentlich nicht zugestanden hätte. Wo wir Andere verletzt haben, nur um unseres Stolzes oder Egos willen.

In Kombination mit dem Neumond auf Algol heisst das, dass es vor Allem um verletzte Weiblichkeit, vielleicht auch um die Rache der verletzten Weiblichkeit und unseren Umgang damit geht. Wenn du eine Frau bist, dann sowohl um deine eigene als um deinen Umgang mit deinen Schwestern, den anderen Frauen. Wenn du ein Mann bist, dann kann es für dich sowohl um deine äussere Haltung zur Weiblichkeit und den Frauen in deiner Umgebung, als auch um deine Haltung zu deiner eigenen inneren Weiblichkeit gehen. 

Ich wünsche euch einen schönen Neumond und bis bald! 

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